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Symposion "Umweltbildungsprogramm Cerbatana"

Zusammenfassung der Symposionsgespräche auf der Insel Mainau, 19.11.2004 (Christian W. Richter)

Ausgangspunkt des gemeinsamen Dialogs war die Fragestellung, wie - anknüpfend an bisherige Bemühungen der EKG e.V. zum Schutz des venezolanischen Küstennebelwaldes (insbesondere des Gebietes „Cerbatana“ auf der Halbinsel Paria, NO-Venezuela) – effektive Umweltbildungsmaßnahmen für Jugendliche zum Thema Naturschutz im internationalen Kontext gestaltet werden könnten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposions repräsentierten Institutionen als potentielle Projektpartner für ein zu gestaltendes Umweltbildungsprogramm:
  • die Insel Mainau GmbH betreibt über ihre „Grüne Schule Mainau“ bereits Umwelt-bildung für interessiert Kinder und Jugendliche und verfügt daher über praktisches umweltpädagogisches Know-How und eine organisatorische Infrastruktur. Darüber-hinaus stellt die Insel Mainau GmbH ihr – FSC-zertifiziertes - Waldgebiet für schulische Projektarbeiten zur Verfügung
  • für das Humboldt-Gymnasium, Konstanz, können Projektarbeiten eine passende Ergänzung zum Curriculum der 10./11. Klassen bilden, in dem sowohl das Biotop Wald als auch das Thema Geoinformationssystem (GIS) vorgesehen sind
  • die Fachhochschule Rottenburg verfügt insbesondere über die forstwissenschaftliche Expertise für eine fachgerechte Projektgestaltung
  • die Technische Universität Berlin / Institut für Angewandte Geowissenschaften und das Büro für Angewandte Geowissenschaftliche Fernerkundung (BAGF), Stockach, tragen zur Fernerkundung und GIS-Anwendung bei
  • die Europäisch-Karibische Gesellschaft e.V. trägt mit der in ihrem Beirat vertretenen geowissenschaftlichen, ökologischen und GIS-Expertise zum Projekt bei und übernimmt Koordinationsaufgaben
Die GesprächsteilnehmerInnen stimmten inhaltlich darin überein, dass die Zielvorstellung von Umweltbildungsmaßnahmen nicht auf das Modell eines isolierten Naturschutzreservats zu beschränken wäre, sondern umfassender am Konzept einer nachhaltigen Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen durch die betroffene Bevölkerung zu orientieren sei. Die lokale Umweltproblematik (kurz: Abholzung – Bodenserosion – Wassermangel) ist in Perspektive der globalen Themen Artenvielfalt, Klimawandel, Armutsbekämpfung aufzuarbeiten.

In der einleitenden Diskussion äußerten die Teilnehmenden Konsens in den Punkten:
  • technologiegestützte Methoden des Umweltmanagements in Form von GIS-Anwen-dungen sind einerseits als motivierendes Vehikel, andererseits als wesentlicher Gegenstand der Umweltbildungsmaßnahmen anzusehen
  • Das Bildungsprogramm sollte an konkreten Nutzenperspektiven ausgerichtet sein (z.B. Monitoring von Wiederaufforstungsaktionen, Kartierung von Schädlingsbefall etc.), die von begleitenden Fachexperten definiert und erläutert werden, und den SchülerInnen den praktischen Wert und die Relevanz ihrer Tätigkeit verdeutlichen
  • die Komplexität des Themas erfordert – um einen Einstellungswandel und Handlungskompetenz bei den teilnehmenden SchülerInnen zu bewirken - eine relativ konzentrierte Mitarbeit und rechtfertigt daher eine Koppelung mit entsprechenden schulischen Aktivitäten für die Altersstufe ab Klasse 10
  • der globale Horizont des Themas würde sich in einer internationalen Schulkooperation optimal widerspiegeln und den beteiligten SchülerInnen als Möglichkeit für interkulturellen, mediengestützten Austausch zusätzlich Motivation und Qualifizierungsmöglichkeiten bieten.

Bei der Projektentwicklung ist auf eine politisch-organisatorische Vernetzung mit internationalen Strukturen und Akteuren im Bereich Umweltschutz/ Entwicklungszusammenarbeit zu achten. Seine umfassendste Legitimation könnte das Projekt im Rahmen der beginnenden UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ erhalten, mit deren Repräsentanten bereits Kontakt hergestellt ist. In Venezuela existieren staatliche Umweltbehörden, allerdings ist die politisch-administrative Sphäre u.a. wegen häufiger personeller Fluktuation nur schwierig direkt zu integrieren. Hier bietet sich die nationale Stiftung „FUNVISIS“ als Vermittlerin an, die in staatlichem Auftrag, mit stabiler Infrastruktur und langfristiger personeller Besetzung vor allem wissenschaftliche, aber auch erzieherische Aufgaben im Bereich der Erdbebenvorsorge ausübt. In der Region des Nebelwaldgebietes „Cerbatana“ besteht eine langjährige Kooperations-partnerschaft mit der ansässigen „Fundacion-Thomas-Merle“, die vor Ort Umweltschutzprogramme durchführt. In der Hauptstadt Caracas hat das dortige Colegio-Humboldt Interesse an einer entsprechenden Schul- u. Projektpartnerschaft geäußert; auch hier existieren stadtnahe Nebelwaldgebiete, die für schulische Exkursionen erreichbar sind.

Das Projekt wird sich bei seiner Realisierung zweifellos in einem komplexen und längerfristigen Aufgabenspektrum mehrerer Akteure entfalten, das unter dem Marken-Dach „Grüne Schule International“ („Aula Verde Internacional“) formal und organisatorisch zusammengefaßt werden kann.

Herr StD Peter Feigenbutz bekräftigte aus Sicht des Lehrverantwortlichen die Vereinbarkeit der schulischen Vorgaben mit den Projektzielen und visierte den März 2005 als ersten Termin an, an dem eine erste Gruppe SchülerInnen mit Projektarbeiten beginnen könnte. Herr Feigenbutz wies jedoch insbesondere darauf hin, dass das GIS-System auf den Rechnern des Humboldt-Gymnasiums noch nicht stabil laufe und die beteiligten Lehrer die Systembetreuung nicht ohne fachliche Unterstützung leisten könnten. Für den Aufbau einer Schulpartnerschaft mit dem Colegio-Humboldt. Caracas, möchte sich Herr Feigenbutz im Kollegenkreis einsetzen.

Die Präsentation von Frau Dr. Barbara Theilen-Willige über Satelliten-Fernerkundung und computergestützte Geo-Informationssysteme an Hand von Bilddaten der Bodenseeregion veranschaulichte zum Einen in faszinierender Weise, welche Möglichkeiten die moderne Technologie für das Management von Naturräumen bietet, machte zum Anderen aber auch deutlich, welche hohen Anforderungen eine sachgerechte Handhabung der Systeme an das Personal stellt. Als Konsequenz für das Projekt kann gezogen werden, dass einerseits eine intensive Lehrerfortbildung nötig ist, andererseits für die Schülerarbeiten ein relativ anwendungssicheres Basis-GIS vorbereitet werden müsste.

In seinen Ausführungen gab Herr Dr. Bastian Kaiser Einblick in seine langjährigen Kenntnisse und Kontakte in Venezuela und schlägt Eckpunkte einer pragmatischen Vorgehensweise bei der Projektentwicklung vor. Dr. Kaiser sprach sich u.a. für eine frühe Einbeziehung der Universidad del Oriente, Sucre, und Experten im Umfeld der GTZ in Venezuela sowie der deutschen Botschaft in Caracas aus. Eine erste Projektphase sollte sich in Konstanz auf die Pilotent-wicklung konzentrieren, und er stellte die Unterstützung von Diplomanden der FH Rottenburg bei der Entwicklung eines „Basis-GIS“ für die gesamten Mainau-Ländereien und einer methodisch-didaktischen Projektkonzeption und -evaluation in Aussicht.

Herr Gerhard Worm reflektierte weitere Möglichkeiten, wie die geplanten Aktivitäten in den Betrieb der Insel Mainau integriert werden könnten und wie dem Projekt „Grüne Schule International“ öffentliche Aufmerksamkeit verschafft werden kann. So könne er sich vorstellen, z.B. im Schmetterlingshaus einen Themenbereich „Nebelwaldvegetation“ einzurichten, eine Ausstellung zur Tropenwaldproblematik im Turm zu organisieren und die Resultate der Schüler-arbeiten im Ökohaus zu präsentieren. Auch ließen sich z.B. die Satellitenaufnahmen der Insel Mainau zu attraktiven Motivkarten umgestalten, deren Verkaufserlöse auch dem Projektbudget dienen könnten.

Herr Theo Straub schilderte als Revierleiter die Situation des Mainau-Forstes an Hand detaillierten Kartenmaterials und beleuchtete Aspekte, unter denen die geplanten GIS-Arbeiten der Humboldt-SchülerInnen seinem Verantwortungsbereich dienlich sein könnten, wie z.B. in der Dokumentation standortfremder Bestockung und des Wasserhaushaltes, bei Erstellung eines Rettungsplanes und einer Holzschlaglogistik u.a. Herr Straub stellte dabei seine Unterstützung sowohl in forstfachlichen als auch waldpädagogischen Fragen in Aussicht.

Frau Janith Loewen argumentierte, den praktischen Arbeiten wie z.B. Wiederauf-forstungen eine zentrale Stellung im Rahmen der geplanten Unweltbildungsmaßnahmen einzuräumen. Die unmittelbare Erfahrung in und mit der Natur stellten einen unersetzbaren Faktor bei der Sensibiliserung und Motivierung Jugendlicher dar. Herr Ilja Maßute und Herr Josef Braun veanschaulichten aus ihren Erfahrungen im Rahmen der Grünen Schule Mainau heraus die Wichtigkeit eines sinnlichen Zugangs zur Thematik des Umweltschutzes.

Die Symposions-Teilnehmerinnen und Teilnehmer vereinbarten, die Planung für die diskutierten Umweltbildungsmaßnahmen zunächst unter dem Titel „Grüne Schule International“ gemeinsam weiter zu betreiben und die Projektentwicklung in ihrem jeweiligen Einflußbereich konkret zu befördern.

Der vollständige Symposionsbericht ist gegen einen Kostenbeitrag von € 7,- in gedruckter Form erhältlich.

Wir danken der InWEnt – Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH für die finanzielle Unterstützung zur Durchführung des Symposions.




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